Warum Wohnungskatzen?
Warum Wohnungskatzen - aus meiner Sicht - das bessere Leben haben? Sehen Sie, wenn Sie Ihre Katzen als Freigänger halten, dann haben Sie ganz einfach keinen Einfluss darauf, was mit Ihren Tieren geschieht. Der Verkehr auf den Strassen nimmt jedes Jahr zu. Die Strassennetze werden immer dichter. Gegen ein Auto, oder Motorrad hat Ihre Katze keine Chance. Meine Meinung hat sich in den letzten Jahren noch verstärkt, weil ich im Bekannten- und Freundeskreis so manches Drama mitbekommen habe. Ein Kater kauert im hohen Gras und wird von einer Mähmaschine erfasst. Eine junge Katze kommt eines Abends nicht mehr heim. Katzen werden angefahren und liegen gelassen. Sie werden vergiftet oder treten in Glasscherben. Jemand sucht verzweifelt seine Katze, während diese - irgendwo in einer Lagerhalle - langsam verdurstet. Eine Katzenmutter verteidigt ihre Jungen gegen einen Dachs - und verliert den Kampf. All diese Beispiele sind nicht erfunden, sondern wurden mir von Bekannten, ArbeitskollegInnen und Freunden berichtet. Es tut mir immer weh, wenn ich die „Vermisst-Zettel“ mit den Fotos und den Telefonnummern sehe.... Leider ist es nicht immer nur Zufall, dass Katzen verschwinden, verletzt werden oder sterben. Manchmal ist auch böse Absicht dahinter, Unverständnis, oder blanker Katzenhass. Ich wohne in einem ruhigen Quartier am Rande einer kleinen Stadt. Hier wäre es durchaus möglich, Katzen Freigang zu gewähren, aber... Vor einiger Zeit zog unter meiner Wohnung ein neuer Mieter ein. Er pflügte den verwahrlosten Gemüsegarten um. Aus diesem Stück Land vor dem Haus, wollte er einen Natur nahen Garten gestalten. Am Tag darauf war ich in der Waschküche und schaute zufällig aus dem Fenster. Was sehen meine Augen??!! Mitten in der frisch vorbereiteten Erde, stehen vier Jugendliche aus unserer Nachbarschaft. In der Mitte zwischen ihnen kauert eine junge Katze. Ihre Besitzer sind berufstätig. Jeder der Jungs hat die Fäuste voller Steine und schleudert diese - volles Rohr - auf das wehrlose Tier herab. Dieses - so umzingelt - weiss nicht, wohin es sich retten soll. Kochend vor Wut rannte ich hinaus und schrie sie an!!! Sie erschraken total, weil sie nicht mit einem Zeugen gerechnet hatten. Die vier Lümmel stammen aus drei verschiedenen, freikirchlich gläubigen Familien. Ich forderte sie auf, mit mir zu kommen und wir gingen direkt zur Mutter im Haus schräg gegenüber. Diese zeigte sich entsetzt über das geschilderte Verhalten ihrer beiden, doch so Tier liebenden Söhne. Das ist aber noch nicht alles: Immer wieder fand ich, um das Haus und auf meinem Balkon, gelbe und weisse Plastikkugeln. Mehrmals ging ich zu den betreffenden Familien und bat sie, dafür zu sorgen, dass dies aufhört. Nichts änderte sich. Ich spürte, dass ganz einfach der Wille fehlte, „Klar-Schiff“ zu machen. Niemand war es, niemand wusste etwas, niemand hatte etwas gesehen. Wenn man mit „Gotcha“-Druckluftpistolen frei herum ballert, dann ist das kriminell. Ich weiss von einem Kind, das deswegen ein Auge verloren hat. Eines Tages sah mein Nachbar zufällig, wie sich das Badezimmer-Fenster im Haus gegenüber öffnete. Es liegt auf der gleichen Höhe wie mein Balkon. Der Sohn hatte eine Waffe in der Hand, schoss kurz und schloss das Fenster wieder. Der Nachbar konfrontierte die betreffenden Eltern mit seiner Beobachtung. Diese wiesen ihn zwar weg von ihrem Haus, aber seither habe ich keine Kugeln mehr auf meinem Balkon gefunden. Inzwischen weiss ich, dass diese Mutter gut heisst, was ihre Söhne tun und sie auf Katzen schiessen lässt, wenn sie ihren Garten betreten. Heute bereue ich meine Geduld und dass ich mich nicht gleich an die Polizei gewandt habe. Mit „Gotcha“-Druckluftpistolen feige aus Badezimmer-Fenstern auf Balkone (und Katzen) zu zielen ist - milde gesagt - eine verdammte Schweinerei! Nichts gegen Menschen, welche leben, was sie glauben. Aber: „Es kann der Nachbar nicht in Frieden leben, wenn der Fromme ihn nicht lässt.“

Tisson auf dem Balkon. Im Hintergrund das Nachbarhaus, mit kleinem Badezimmer-Fenster.
Vielleicht verstehen Sie nun, warum Wohnungskatzen mir lieber sind.
Muck - eine glückliche Wohnungskatze
Er lebte neunzehn Jahre bei mir. Wenn alle Katzen so gesund wären wie er, dann würden die Tierärzte verarmen. Er überlebte manchen Katzen-Kratzbaum und eine Ehe... Er zog mehrmals mit mir um. Er liebte Katzen und Menschen und hatte keine Probleme mit Veränderungen. Er war nicht genügsam. Er forderte lautstark von mir, dass ich genug Zeit für ihn hatte, um mit ihm zu spielen, trotz seinen Katzenfreunden. In seinen letzten Wochen, wurde er sehr schwach und litt immer mehr an Gleichgewichtsstörungen. Trotz Medikamenten konnte er das Wasser nicht mehr halten, besonders, wenn er schlief. Der Tag kam, wo ich ihn zum Tierarzt brachte. Nein, es fiel mir nicht leicht, ihn gehen zu lassen. Aber ich wusste, er hatte ein langes, interessantes Leben gehabt. Ich war bei ihm und sah, dass er schnell und ohne zu leiden einschlief. Trotz meiner Trauer, war ich dankbar - auch dafür, dass ich ihn begleiten und meine Verantwortung für ihn wahrnehmen konnte, bis zu seinem letzten Atemzug. Diesen Tag werde ich nicht vergessen. Es war im Juni und am Abend gab es ein Gewitter. Plötzlich schien die Abendsonne durch die Wolken - und ich sah den Regenbogen...

Muck, hier 18-jährig und noch fit.
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